Die Erlebnisholzkugel bei Schwandorf: Ein Meisterwerk aus Holz

Die Erlebnisholzkugel in Steinberg am See (bei Schwandorf), im Volksmund oftmals einfach "Holzkugel" genannt, ist ein beeindruckendes Bauwerk und ein Wahrzeichen der Region Oberpfalz in Bayern. Mit einem Durchmesser von 40 Metern ist sie die größte begehbare Holzkugel der Welt und ein Paradebeispiel für nachhaltige Architektur und Ingenieurskunst. Sie steht im Oberpfälzer Seenland, einem beliebten Naherholungsgebiet, und zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Neben ihrer außergewöhnlichen Form und Funktionalität ist die Holzkugel vor allem ein Symbol für die Vielseitigkeit und Schönheit des Werkstoffs Holz. Die Kugel wurde aus 627 m³ Brettschichtholz, 40.000 Schrauben und 18.000 Bolzen, Bauschrauben und Stabdübel, 190 Tonnen Stahlteilen, 2.200 Laufmeter Geländer sowie 3.300 m² Verkleidungsplatten errichtet. Die Einweihung fand im Jahr 2019 statt, bis zu 950 BesucherInnen können sie gleichzeitig betreten. Der Rundweg in der Kugel ist 700 Meter hoch und durch die ganz sachte 6-Grad-Steigung barrierefrei.

 

Ganz grundsätzlich ist Holz ein Material, welches sehr vielseitig und seit Jahrtausenden genutzt wird. Wir hatten zu diesem Thema vor einiger Zeit einen eigenen Blogartikel verfasst - diesen finden Sie HIER.

 

Im Inneren der Erlebnisholzkugel befindet sich übrigens eine Rutsche für Groß und Klein und ganz in der Nähe lässt sich sogar Wasserski fahren. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf die verwendeten Holzarten, die Gründe für ihre Auswahl und die Verarbeitungstechniken, die dieses Bauwerk möglich gemacht haben.

 

 

Das verwendete Holz: Arten und Auswahl

Die Holzkugel besteht aus rund 627 Kubikmetern Holz, das aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Für den Bau wurden vor allem zwei Holzarten verwendet: Fichte und Lärche. Diese Hölzer wurden aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften ausgewählt, die sie ideal für ein solches Bauprojekt machen. Zudem kommen sie in den mitteleuropäischen Wäldern, selbstverständlich auch in der Oberpfalz, häufig vor.

 

Fichte

Die Fichte ist eine der am häufigsten genutzten Holzarten in der Bauindustrie. Sie wurde für die tragenden Elemente der Holzkugel verwendet, insbesondere für die Hauptkonstruktion. Die Gründe für die Wahl der Fichte sind:

  • Stabilität und Tragfähigkeit: Fichtenholz hat eine hohe Festigkeit im Verhältnis zu seinem Gewicht, was es ideal für tragende Strukturen macht.
  • Verfügbarkeit: Fichtenholz ist in Mitteleuropa weit verbreitet und leicht verfügbar, was die Kosten und den ökologischen Fußabdruck des Projekts reduziert.
  • Verarbeitungseigenschaften: Fichtenholz lässt sich leicht bearbeiten, was bei der Herstellung der komplexen Kugelstruktur von Vorteil war.

 

Lärche

Für die Außenverkleidung und die wetterexponierten Teile der Holzkugel wurde Lärchenholz verwendet. Diese Holzart zeichnet sich durch ihre natürliche Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse aus. Die Vorteile von Lärchenholz sind:

  • Witterungsbeständigkeit: Lärchenholz enthält natürliche Harze, die es resistent gegen Feuchtigkeit, Pilzbefall und Insekten machen.
  • Langlebigkeit: Es ist eines der haltbarsten Nadelhölzer und eignet sich hervorragend für den Einsatz im Außenbereich.
  • Ästhetik: Lärchenholz hat eine warme, rötlich-braune Färbung, die mit der Zeit eine silbergraue Patina entwickelt und so zur natürlichen Optik der Holzkugel beiträgt.

Die Kombination aus Fichte und Lärche ermöglicht eine optimale Balance zwischen Stabilität, Langlebigkeit und Ästhetik.

 

 

Verarbeitung und Konstruktion

Die Konstruktion der Holzkugel war eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Die komplexe Kugelform erforderte präzise Planung und modernste Verarbeitungstechniken. Hier sind die wichtigsten Schritte und Methoden, die bei der Verarbeitung des Holzes und dem Bau der Kugel zum Einsatz kamen:

 

1. Holzbeschaffung und Nachhaltigkeit

Das Holz für die Holzkugel stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern der Region. Dies war ein bewusster Schritt, um die Umweltbelastung zu minimieren und die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Die Zertifizierung nach PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification) garantiert, dass das Holz aus ökologisch und sozial verantwortungsvoller Forstwirtschaft stammt.

 

2. Präzisionsbearbeitung

Die Holzelemente wurden mit computergesteuerten CNC-Maschinen zugeschnitten. Diese Technologie ermöglicht eine millimetergenaue Bearbeitung, die für die komplexen Verbindungen und die kugelförmige Struktur unerlässlich war. Die einzelnen Holzbalken und -platten wurden so gefertigt, dass sie perfekt ineinandergreifen und eine stabile Konstruktion bilden.

 

3. Verbindungstechniken

Die Holzkugel wurde ohne den Einsatz von Nägeln oder Schrauben gebaut. Stattdessen kamen traditionelle Holzverbindungen wie Zapfen, Dübel und Schwalbenschwanzverbindungen zum Einsatz, die durch moderne Klebetechniken ergänzt wurden. Diese Methode sorgt nicht nur für eine hohe Stabilität, sondern unterstreicht auch die handwerkliche Qualität des Bauwerks.

 

4. Schutz und Pflege

Um das Holz vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde es mit umweltfreundlichen Lasuren behandelt. Diese Lasuren sind atmungsaktiv und verhindern, dass Feuchtigkeit in das Holz eindringt, während sie gleichzeitig die natürliche Optik des Materials bewahren.

 

 

Warum Holz? Die Vorteile des Werkstoffs

Die Entscheidung, die Holzkugel vollständig aus Holz zu bauen, war nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ökologische und funktionale Wahl. Holz bietet zahlreiche Vorteile, die es zu einem idealen Baustoff machen:

  • Nachhaltigkeit: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der bei nachhaltiger Bewirtschaftung eine nahezu unbegrenzte Ressource darstellt. Zudem bindet Holz während seines Wachstums CO₂ und trägt so zur Reduzierung von Treibhausgasen bei.
  • Leichtigkeit und Stabilität: Holz ist im Verhältnis zu seinem Gewicht extrem stabil, was es ideal für große Bauwerke wie die Holzkugel macht.
  • Wärme und Atmosphäre: Holz schafft eine warme und einladende Atmosphäre, die perfekt zum Konzept der Erlebnisholzkugel passt.
  • Ästhetik: Die natürliche Maserung und Farbe des Holzes verleihen der Kugel eine einzigartige Optik, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt.

 

Fazit

Die Holzkugel bei Schwandorf ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel für die Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit des Werkstoffs Holz. Durch die Verwendung von Fichte und Lärche, die präzise Verarbeitung und die bewusste Entscheidung für nachhaltige Materialien ist die Holzkugel ein Symbol für modernes Bauen im Einklang mit der Natur. Sie zeigt, wie traditionelle Handwerkskunst und moderne Technik kombiniert werden können, um ein Bauwerk zu schaffen, das sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugt. Ein Besuch der Holzkugel ist nicht nur ein Erlebnis für die Sinne, sondern auch eine Inspiration für nachhaltiges Denken und Handeln.

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