Wie viel CO2 nimmt ein Baum auf?

Eine häufig gestellte und auf den ersten Blick einfache Frage - nur leider alles andere als leicht zu beantworten. Einerseits gibt es sehr unterschiedliche Baumarten welche unterschiedlich viel CO2 aufnehmen. Andererseits bestehen auch innerhalb einer Baumart große Unterschiede: Das Alter des jeweiligen Baumes, die Größe und der Durchmesser haben großen Einfluss. Hinzu kommen weitere Faktoren wie die Bodenqualität oder die Wasserversorgung [HAN-09]. Außerdem macht es einen Unterschied, ob es sich um eine Solitärpflanze handelt oder um einen Baum in einem Wald. Solitärpflanzen können tendenziell mehr CO2 aufnehmen und speichern da sie in der Regel ausgeprägtere Äste und Kronen haben. Mit den Unterschieden zwischen Laub- und Nadelbäumen hatten wir uns HIER bereits beschäftigt.

 

Genau genommen nehmen Bäume übrigens gar kein CO2 auf. Sie verwenden nur den Kohlenstoff, also das C des Kohlenstoffdioxids (CO2) und geben den Sauerstoff (O2) wieder ab. Da fast immer von CO2 die Rede ist muss der Wert deswegen umgerechnet werden. Der C-Gehalt eines Baumes ist mit dem Faktor 3,67 zu multiplizieren um den CO2-Wert zu erhalten [LWF-11].

 

Cermeter hat Ecosia, Google und Yahoo bemüht um etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Die erstgenannte Suchmaschine  ist, nebenbei erwähnt, äußerst vorbildlich was das Klima betrifft: Ecosia verwendet seine Gewinne, um weltweit Bäume zu pflanzen, beispielsweise Akazienbäume in Äthiopien. Diese machen den dortigen Boden fruchtbarer als er derzeit ist. Stand heute, dem 22. Dezember 2018, wurden rund 145.160.000 Bäume von Ecosia-Nutzern gepflanzt. Wir halten das für eine tolle Idee, ein ausgezeichnetes Projekt für unseren Planeten![ECO-18]

 

Nun denn, was ergab unsere Recherche? Die sehr empfehlenswerte Plattform Wald.de schätzt, dass  in deutschen Wäldern aktuell rund 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert werden. Umgerechnet sind das satte 4,4 Milliarden Tonnen CO2! Umgemünzt auf eine Waldfläche von einem Hektar ergeben sich im Schnitt, über alle Altersklassen hinweg, in etwa 13 Tonnen CO2.[WAL-18] Das Handelsblatt hat berechnet, dass circa 80 Buchen notwendig wären, um jedes Jahr 1 Tonne CO2 zu kompensieren. Es wird dabei von Buchen ausgegangen die im Bestand gewachsen sind, eine Höhe von 23 m aufweisen und auf einer Stammhöhe von 1,30 m (Brusthöhendurchmesser, kurz BHD) einen Durchmesser von rund 30 cm besitzen.[HAN-09]

 

Eine andere Sichtweise, einfach formuliert: Ein alter, gesunder und großer Baum ist problemlos in der Lage am Tag so viel Sauerstoff zu produzieren, wie 10 Menschen am Tag zum Atmen benötigen [GAR-18]. Welcher Baum nimmt am meisten CO2 auf?  Welche Baumart ist gut für das Klima? Das LWF Bayern bietet sehr aussagekräftige Tabellen für Einzelbäume und für Bestände an auf welche wir uns im nachfolgenden beziehen werden [LWF-11]. Für die vier Kategorien haben wir jeweils drei Szenarien angenommen: Baum mit 20 m Höhe (BHD 20 cm), Baum mit 30 m Höhe (BHD 35 cm) und Baum mit 40 m Höhe (BHD 45 cm). Wir beziehen uns jeweils auf Einzelbäume.

 

Für FichteNordmanntanne, Küstentanne, Weißtanne, KoreatanneDouglasie (jeweils Einzelbaum) ergeben sich näherungsweise folgende Werte:

  • Baumhöhe 20 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 20 cm: 200 bis 400 kg CO2
  • Baumhöhe 30 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 35 cm: 1.200 bis 1.800 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)
  • Baumhöhe 40 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 55 cm: 3.500 bis 5.000 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)

 

Für Schwarzkiefer, Waldkiefer, Lärche (jeweils Einzelbaum) ergeben sich näherungsweise folgende Werte:

  • Baumhöhe 20 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 20 cm: 200 bis 400 kg CO2 (eher oberes Ende der Spanne)
  • Baumhöhe 30 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 35 cm: 1.300 bis 2.100 kg CO2
  • Baumhöhe 40 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 55 cm: 4.200 bis 5.700 kg CO2

 

Für Rotbuche, Blutbuche, Hainbuche, Kirsche, Linde, Kastanie (jeweils Einzelbaum) ergeben sich näherungsweise folgende Werte:

  • Baumhöhe 20 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 20 cm: 400 bis 800 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)
  • Baumhöhe 30 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 35 cm: 1.500 bis 2.500 kg CO2
  • Baumhöhe 40 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 55 cm: 6.000 bis 8.000 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)

 

Für Eiche, Bergahorn, Esche, Ulme, Robinie (jeweils Einzelbaum) ergeben sich näherungsweise folgende Werte:

  • Baumhöhe 20 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 20 cm: 400 bis 800 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)
  • Baumhöhe 30 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 35 cm: 1.300 bis 2.000 kg CO2
  • Baumhöhe 40 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 55 cm: 5.000 bis 7.300 kg CO2

 

Mit dem Klimawandel an sich hatten wir uns übrigens HIER schon mal beschäftigt (Fokus Trockenheit und Dürre). Bezüglich naturnaher Bepflanzung finden sich HIER weitere gute Informationen. Was bleibt festzuhalten? Bäume pflanzen ist aktiver Umweltschutz, essenziell für die Atemluft aller Lebewesen auf unserer Erde. Unsere Forste haben einen regulierenden Einfluss auf das Wetter und verhindern Überschwemmungen und Bodenerosionen. Wälder können als die grüne Lunge unserer blauen Planeten angesehen werden. Sie spielen eine herausragende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel.[DWN-19]

 

Cermeter wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ruhige und erholsame Tage. Und schon mal ein gutes neues Jahr 2019!

 

Quellen:

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Ozzi (Montag, 13 Mai 2019 15:55)

    Irgend etwas ist faul an Ihrer Rechnung! Sie schreiben, dass circa 80 Buchen notwendig wären, um jedes Jahr lediglich 1 Tonne CO2 zu kompensieren und unten:

    Für Rotbuche, Blutbuche, Hainbuche, Kirsche, Linde, Kastanie (jeweils Einzelbaum) ergeben sich näherungsweise folgende Werte:

    Baumhöhe 20 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 20 cm: 400 bis 800 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)
    Baumhöhe 30 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 35 cm: 1.500 bis 2.500 kg CO2
    Baumhöhe 40 m und Brusthöhendurchmesser (Durchmesser auf 1,3 m Höhe) 55 cm: 6.000 bis 8.000 kg CO2 (eher unteres Ende der Spanne)

    WAS, BITTESCHÖN, ist denn nun richtig?? 80 Buchen = EINE Tonne CO2, oder EINE Buche = 6 bis 8 Tonnen CO2. WIE BITTE?

  • #2

    Cermeter (Montag, 20 Mai 2019 22:32)

    Hallo Ozzi,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns, dass Sie sich mit dem Thema CO2 Kompensation auseinander setzen. Gerne erklären wir Ihnen den Sachverhalt.

    Es handelt sich um zwei grundverschiedene Ansätze. Beiden Varianten liegt eine Recherche zugrunde, die Quellen haben wir mit angegeben.

    Ansatz 1: Diese Zahlen stammen vom renommierten Handelsblatt. Es wird eine permanente CO2 Kompensation auf Jahresbasis von 1 Tonne berechnet. Hierzu wären 80 Buchen (mit 23 m Höhe und Brusthöhendurchmesser von rund 30 cm) notwendig. Anders formuliert: 80 Buchen würden JEDES Jahr 1 Tonne CO2 kompensieren. Eine solche Buche kompensiert folglich im Schnitt jedes Jahr 12,5 kg CO2.

    Ansatz 2: Diese Zahlen stammen von der nicht minder renommierten Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Die Überlegung ist aber eine ganz andere. Hier wurde ermittelt, wie viel CO2 in einem Baum gebunden sind (bereits kompensiert wurden). Ein hoher und alter Baum mit großem Brustdurchmesser hat im Laufe seines Lebens bereits eine gewisse Menge CO2 kompensiert. Eine Buche die beispielsweise 40 m hoch ist hat im Laufe der Jahre entsprechend mehr CO2 gespeichert als eine Buche die erst 20 m hoch ist.

    Ist es so verständlicher?

    Viele Grüße

    Harald (vom Cermeter Team)

  • #3

    puhrbrock@online.de (Dienstag, 19 November 2019 09:30)

    Da wird immer von CO2 Speicherung gesprochen/geschrieben, aber ich denke nur der Kohlenstoff wird in Form von Holz gespeichert. Der Sauerstoff wird in die Atmosphäre abgegeben. Nun würde mich interessieren welch mengen z.B. Gras, Weizen, Mais oder Rüben speichern/umwandeln, unter Berücksichtigung von verkürzten Wachstumszeiten.

    MfG
    Petersl

  • #4

    Cermeter (Dienstag, 19 November 2019 20:07)

    Hallo Petersl,

    danke für den Kommentar. Den ersten Teil kann ich bestätigen - Bäumen verwenden nur das C des CO2 und geben das O2 an die Atmosphäre ab - das hatte ich ja so auch geschrieben in Absatz 2.

    Es gibt mit dem Faktor 3,67 sogar eine Möglichkeit der Umrechnung.

    Welche Menge Gras, Weizen, Mais oder Rüben speichern/umwandeln kann ich leider nicht beantworten. Das sind aber ebenfalls sehr spannende Fragen. Wenn ich etwas finde werde ich es mitteilen.

    Viele Grüße

    Harald (vom Cermeter Team)

  • #5

    Dustin (Donnerstag, 26 Dezember 2019 20:52)

    Ist es effektiver einen z. B. hundert Jahre alten Baum stehen zulassen und das co2 umwandeln zu lassen oder wäre es effizienter diesen zu fällen (nicht verbrennen) und an gleicher Stelle einen neuen zu Pflanzen? Wenn man nur an die co2 Bilanz denkt?

  • #6

    Gscheidhaferl (Dienstag, 11 Februar 2020 08:31)

    Am effektivsten wäre es wohl, die schon unter der Erde als Kohle gespeicherten Bäume nicht auszugraben und zu verbrennen :-)

  • #7

    Hans Arold (Dienstag, 18 Februar 2020 00:48)

    Liebe Leute,
    "ich hätte da gerne mal ein Problem": Oft wird - etwas oberflächlich - davon gesprochen, dass der dauerhafte Verbau von Holz eine CO2-Senke bedeuten würde, aber...
    Ein gefällter Baum würde ja weiterhin der Luft Kohlenstoff entzogen haben - und zwar noch lange Zeit lang erheblich mehr als der kleine Baum, der jetzt an seiner Stelle wachsen kann. Die Formel müsste in etwa lauten: (Dauerhaft verbauter) Kohlenstoff + Kohlenstofffiltrat durch neuen Baum * X Jahre - Kohlenstofffiltrat durch alten Baum * X Jahre = Kohlenstoffreduktion in der Atmosphäre.

    Als Formel etwa: C(bau) + C(kB)x - C(gB)x = CO2-Red. 

    Die Frage ist also: Ab wann (X Jahre) hat sich das Fällen und dauerhafte Verbauen des Kohlenstoffs "amortisiert" und in welchen zeitlichen Dimensionen ergeben sich dann "Überschüsse" (in welcher Höhe?) in der atmosphärischen Kohlenstoffreduktion?

    Als - möglicherweise - entscheidende "Ergänzung" der o.g. Formel kommt nun ein weiterer Gedanke hinzu. Der Fehler in der bisherigen Betrachtung steckt in der - falschen! - Annahme, dass man den fehlenden großen Baum einzig gegen den neuen kleinen Baum gegenrechnen müsse. Dies hätte seine Richtigkeit, wenn man von einer Flächenrodung (z.B. via Harvester) ausgeht. Beim Fällen einzelner Bäume in einem ansonsten dichten Wald übernehmen aber die Nachbarbäume den allergrößten Teil der durch Photosynthese energetisch ermöglichten Transformation von Kohlendioxid in Kohlenstoff und Sauerstoff, so dass man davon ausgehen kann, dass der entscheidende Faktor die anhaltende oder eben nicht mehr gegebene Verschattung des Waldbodens sein sollte. Dementsprechend würde das bedeuten, dass für die Höhe des Werts von Holz als Baustoff zur CO2-Reduzierung - neben den Umständen des Transports - nicht das Material selbst, sondern die Art seiner Gewinnung entscheidend wäre!
    Halten Sie diese Überlegungen für stichhaltig?