Was versteht man unter Klimaxbaumart? Was sind Klimaxbäume, welche Eigenschaften haben sie? Was ist ein Schlusswald?

Eine erste Definition der Klimaxbaumarten nahm der amerikanische Botaniker Frederic Edward Clements vor. Clements zufolge sind dies Baumarten, die das so genannte Endstadium, oftmals Klimaxstadium genannt, einer natürlichen Abfolge eines Waldes, darstellen. Die Ökolgie spricht von Klimaxvegetation, einem relativ stabilen Endzustand der Vegetation, der sich im Laufe der Sukzession herausbildet. Diese Wälder werden zudem als Schlusswälder oder Klimaxwälder bezeichnet. In Mitteleuropa wären ohne Einfluss des Menschen heute hauptsächlich Buchenwälder anzutreffen. Klimax ist übrigens lateinisch und bedeutet so viel wie "Leiter", "Endpunkt", "oberste Sprosse der Leiter", oder im übertragen Sinne "Höhepunkt". Alternativ und synonym zu Klimaxwald wird der Begriff Schlusswald verwendet.

 

Das Gegenstück zu den Klimaxbaumarten sind die Pionierbaumarten (sie prägen den so genannten Vorwald - mehr Infos dazu HIER). Diese sind die ersten Baumarten, die Freiflächen (nach Kahlschlag, Waldbrand, Orkan, Erdrutsch, usw.) besiedeln. Situativ kommt es vor, dass Baumarten sowohl die Rolle der Pionierbaumart als auch der Klimaxbaumart einnehmen. In einem Moor beispielsweise kann die Birke gleichzeitig Pionier- und Klimaxbaumart sein, weil sie optimal an diesen Standort angepasst ist. Neben der Flora (Pflanzenwelt) sieht auch die Fauna (Tierwelt) in einem Schlusswald beziehungsweise Klimaxwald anders aus als in einem Vorwald oder Zwischenwald. Im naturnahen Wald finden sich am Waldrand häufig lichtbedürftige Pionierbäume und weitere Pionierpflanzen, während sich tiefer im Wald bereits schattentolerante Klimaxwaldgesellschaften gebildet haben.

 

Bezüglich der Begriffsverwendung ist zu beachten, dass es sich bei der Klimaxvegetation keineswegs um einen Endzustand in geologischen Zeiträumen handelt, sondern vielmehr um aus menschlicher Sicht sehr lange Zeiträume. Bereits aus der ursprünglichen Verwendung des Begriffs, die sich seither geändert hat, geht klar hervor, dass sich die Klimaxvegetation infolge von Klimawandel verändert.

 

Vereinfacht formuliert kann es folgendermaßen ablaufen: Auf einer ehemaligen Waldfläche, die beispielsweise von einem heftigen Waldbrand heimgesucht wurde, der die Baumbestände vernichtet hat, siedeln sich als erstes einjährige (z. B. Kapuzinerkresse, Hanf, Mais, …), danach mehrjährige (z. B. Fingerhut, Stauden, …) krautige Pflanzen an. Anschließend folgen Sträucher (z. B. Eiben, Hartriegel, Liguster, Ölweiden, Heckenkirschen, Flieder, ...) und schließlich siedeln sich Pionierbaumarten an. Diese werden von Halbschattenbaumarten (siehe HIER) ersetzt, die dann wiederum von Klimaxbaumarten (meistens Schattenbaumarten, siehe HIER) abgelöst werden. Wenn diese absterben oder durch Katastrophen (Feuer, Windbruch, …) verschwinden, beginnt der Kreislauf von vorn.

 

Was sind die Charakteristiken der Klimaxbäume? Welche Eigenschaften haben sie?

• hohe Schattentoleranz, nicht nur in der Jugend (-> Schatten- oder Halbschattbaumarten)

• hohe Standortansprüche (Nährstoff- und Wasserhaushalt)

• langsames Jugendwachstum, späte Kulmination

• lange Lebensdauer (erreichen größere Dimensionen und hohes Alter)

• Fruktifikation setzt erst im höheren Alter ein, ergiebige Samenjahre in Intervallen, begrenzte Verbreitbarkeit der Samen (außer durch Tiere)

• relativ empfindlich gegenüber Klimaextremen

• sehr konkurrenzstark, plastische Krone

 

Welche Baumarten können Klimaxbaumarten sein?

Abhängig von den abiotischen Standortfaktoren, insbesondere aus den Bodenfaktoren wie Bodenfeuchte und Basengehalt und dem lokalen Klima, haben alle Regionen ihre individuellen Klimaxbaumarten. Des Weiteren haben Tier-, Pilz- und Pflanzenarten einen nennenswerten Einfluss. Diese Regionen können auch verhältnismäßig klein und zersplittert sein. Die Weißtanne beispielsweise ist eine typische mitteleuropäische Klimaxbaumart, die allerdings auf extrem trockenen Standorten konkurrenzschwach ist. Die am weitesten verbreitete Klimaxvegetation Mitteleuropas sind die Buchenwälder. Auf sehr armen Sandböden nehmen Eichenwälder und Eichenmischwälder diese Rolle ein, im östlichen Mitteleuropa auch Kiefernwälder. Auf sehr basenreichen Böden sind es Wälder der „Edellaubhölzer“ (Eschen, Ahornarten, Lindenarten), meist gemischt mit Buche. In den höheren Gebirgslagen bilden Nadelwälder aus Tanne und Fichte die Klimaxvegetation. Im oberösterreichischen Höllengebirge beispielsweise nimmt die Rotfichte mit einem Anteil von mehr als 50 % der Bäume die Klimaxrolle ein, wobei es auch zahlreiche Rotbuchen gibt (etwa 35 %), am Hochgebirgsplateau hingegen dominiert ganz klar die Bergkiefer (Pinus mugo).

 

Ein kleiner Blick über den großen Teich: Im nordöstlichen Nordamerika, sowohl im Tief- als auch Bergland, sind häufig die Balsamtanne und die Kanadische Hemlocktanne die dominierenden Klimaxbäume. In den südlichen Appalachen und im östlichen Nordamerika nicht selten die Frasertanne. Im Westen Nordamerikas nehmen diese Rolle die Küstenkiefer (Pinus contorta, auch Murraykiefer oder Drehkiefer genannt) und die Koloradotanne (Abies concolor, auch Grautanne genannt) ein. Auf der Westseite der hohen Sierra Nevada in Kalifornien ebenso wie in den Siskiyou Mountains in Süd-Oregon sind es die Prachttanne (Abies magnifica) und die Siskiyoufichte (Mähnenfichte, Picea breweriana).

 

Quellen

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